K 804 | Urft | Kreis Euskirchen | Deutschland | 2011/2012

Mit den Planungen und Bauarbeiten für den geheimen Atombunker Warnamt Eifel (K 804) der Landesregierung Nordrhein-Westfalen wurde im Jahr 1962, zur Zeit des Kalten Krieges, begonnen. Im Falle eines Atomangriffs sollten der Ministerpräsident des Landes und 200 weitere Mitglieder der Landesregierung sowie Fachkräfte und Experten für 30 Tage Schutz in dem Bunkerkomplex finden, um die Regierungsgeschäfte weiterführen, die Bevölkerung informieren und gegebenenfalls Evakuierungsmaßnahmen einleiten zu können.

 

Der Bunker befindet sich in Kall-Urft im Kreis Euskirchen, lediglich 35 Kilometer von dem Regierungsbunker bei Ahrweiler entfernt, in dem Bundespräsident und -kanzler sowie 3000 weitere Personen im Ernstfall Schutz gefunden hätten. Unter höchster Geheimhaltung war der Ausweichsitz NRW der erste Bunker einer Landesregierung, der gebaut wurde. Etwa 1000 Quadratmeter ist der Komplex groß und erstreckt sich über vier Etagen. Funktional und technisch ist der Schutzraum so eingerichtet, dass er jede Form von Luxus entbehrt, Grundbedürfnisse im Kriegsfall allerdings hätten bedient werden können. Her Haupteingang des Bunkers ist getarnt durch eine einfache Doppelgarage, die sich heute auf einem Privatgrundstück neben einem Wohnhaus befindet. 

 

Aufgrund der politischen Entspannung im Ost-West-Konflikt seit 1989 beschloss die Landesregierung Nordrhein-Westfalen im Jahr 1993, wie viele weitere Landesregierungen Deutschlands in dieser Zeit, ihren Ausweichsitz aufzugeben. Tochter und Schwiegersohn des ehemaligen Hausmeisters des Atombunkers erwarben den Komplex samt Areal vom Land Nordrhein-Westfalen und pflegen bis heute das gesamte Inventar. Das Relikt des Kalten Krieges ist nach all den Jahren noch voll funktionsfähig und gibt als Zeitzeuge Einblicke in die tief sitzenden Ängste der damaligen Regierung und Bevölkerung vor einem Atomkrieg.

 

Die nüchterne fotografische Dokumentation über den gesamten Bunkerkomplex sowie das Gelände, das sich oberhalb der Bunkermauern befindet, soll eine analytische Übersicht über ein geschichtsträchtiges Bauwerk der Bundesrepublik Deutschland verschaffen, das Millionen D-Mark verschlungen hat und glücklicherweise niemals in Anspruch genommen werden musste.

 

In Zusammenarbeit mit Mario Wallenfang | www.mariowallenfang.de